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Wärme und Temperatur sind nicht dasselbe. Wie viel Wärmeenergie ein Stoff aufnimmt, hängt von seiner spezifischen Wärmekapazität c ab. Die zentrale Formel lautet Qp = c · m · ΔT (massenbezogen) bzw. Qp = Cm · n · ΔT (molbezogen). Diese Größen sind die Grundlage für alle Kalorimetrie-Messungen.

6 spezifische Wärme und spezifische Wärmekapazität

Zunächst einige Beispiele, um das Problem zu verdeutlichen:

a) Zusammenhang zwischen Q und ΔT

Häufig wird die Wärmemenge mit der Temperatur verwechselt. Stoffe (wie beim ersten Beispiel der Kupferklotz) besitzen eine gewisse Wärmemenge. Taucht man den 80 °C warmen und 100 g schweren Kupferklotz in 500 g Wasser, welches 20 °C warm ist und wartet eine geringe Zeit, so haben beide Stoffe anschließend 21,1 °C.

Vorher:

Kupferklotz (100 g, 80 °C) und Wasser (500 g, 20 °C) vor dem Temperaturausgleich – Wärmekapazität Experiment

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Kupferklotz + Wasser vorher – vergrößert

Nachher:

Kupferklotz und Wasser nach dem Temperaturausgleich – beide 21,1 °C

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Kupferklotz + Wasser nachher – vergrößert
  • Temperaturausgleich beim Berühren;
  • Die Wärmeenergie fließt so lange von der warmen Stoffportion in die kältere, bis beide dieselbe Temperatur haben.

b) Zusammenhang zwischen Q, m und ΔT

Wie ändert sich eigentlich die Temperatur, wenn man immer die gleiche Masse unterschiedlicher Metalle mit gleicher Temperatur nimmt.

Vorher:

⚠️ Hinweis: In dieser Abbildung ist ein Fehler unterlaufen. Die Temperatur des Wassers muss 20 °C betragen!

Verschiedene Metallwürfel gleicher Masse bei 80 °C – Vergleich der Mischungstemperatur mit Wasser (Hinweis: Wassertemperatur im Bild fehlerhaft, korrekt 20 °C)

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Metallwürfel vorher – vergrößert

Nachher:

Verschiedene Metallwürfel nach dem Temperaturausgleich – unterschiedliche Mischungstemperaturen

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Metallwürfel nachher – vergrößert
  • Wärme und Temperatur sind unterschiedliche Dinge. Wären sie das Gleiche, wären die Mischungstemperaturen auch gleich.
  • Die drei Würfel enthalten unterschiedliche Wärmemengen.

c) Zusammenhang zwischen Q, n (Stoffmenge) und ΔT

Vorher:

Metallwürfel gleicher Stoffmenge bei 80 °C – Vergleich der Wärmemenge bei gleichem n

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Stoffmenge Vergleich vorher – vergrößert

Nachher:

Metallwürfel gleicher Stoffmenge nach Temperaturausgleich – gleiche Mischungstemperaturen bei gleicher Teilchenzahl

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Stoffmenge Vergleich nachher – vergrößert
  • Gleiche Stoffmengen transportieren bei Metallen die gleiche Wärmemenge.

d) Zusammenhang zwischen Q, n (Stoffmenge), Teilchenart und ΔT

Vorher:

Verschiedene Stoffarten gleicher Stoffmenge – Wärmemenge hängt von der Teilchenart ab

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Teilchenart Vergleich vorher – vergrößert

Nachher:

Verschiedene Stoffarten nach Temperaturausgleich – unterschiedliche Mischungstemperaturen je nach Teilchenart

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Teilchenart Vergleich nachher – vergrößert
  • Die Wärmemenge und die Wärmekapazität Cp [= Wärmespeichervermögen] (auch die molare) sind von den verschiedenen Teilchenarten abhängig.

Spezifische Wärme einer Substanz ist die Wärmemenge, die benötigt wird, um 1 g der Substanz um 1 °C zu erwärmen.
Oder: Die Wärmekapazität gibt an, wie viel thermische Energie ein Körper bezogen auf die Temperaturänderung speichern kann:

Wärme Q ist direkt proportional der Temperaturänderung:

Qp ~ ΔT

Proportionalitätsfaktor für ein System = Wärmekapazität C:

Qp = C · ΔT

Für eine bestimmte Temperaturänderung ist umso mehr Wärme erforderlich, je größer die Masse m des Systems ist

Qp ~ m · ΔT

spezifische Wärmekapazität c (Wärmekapazität bezogen auf die Masse):

c = C / m  ⇔  C = c · m

Qp = c · m · ΔT

Molare Wärmekapazität Cm (bezogen auf die Stoffmenge n):

Cm = C / n  ⇔  C = Cm · n

Qp = Cm · n · ΔT

Spezifische Wärmemenge c eines Stoffes: entspricht der Wärme Q, die zur Erwärmung von 1 g dieses Stoffes um 1 K bei konstantem Druck auf diesen Stoff übertragen werden muss.

Bsp.: cp(Wasser) = 4,184 J · g⁻¹ · K⁻¹

Frage: Welche Wärmeenergie wird benötigt, um 125 g Wasser von 20 °C auf 25 °C zu erwärmen?

Lösung:

Qp = cp · m · ΔT = 4,184 J · g⁻¹ · K⁻¹ · 125 g · 5 K = 2615 J = 2,615 kJ

⇒ Die Wärmekapazität von Wasser ist wichtig, um andere Reaktionsenthalpien messen zu können.


Auf einen Blick – die wichtigsten Formeln

Massenbezogen

Qp = c · m · ΔT
c = spez. Wärmekapazität [J·g⁻¹·K⁻¹]

Molbezogen

Qp = Cm · n · ΔT
Cm = molare Wärmekapazität [J·mol⁻¹·K⁻¹]

Wasser – Referenzwert

cp(H₂O) = 4,184 J·g⁻¹·K⁻¹
Grundlage aller Kalorimetrie

Wichtig

Wärme Q ≠ Temperatur T –
verschiedene Stoffe, gleiche Masse → verschiedene Q

Häufige Fragen zur Wärmekapazität

Was ist der Unterschied zwischen Wärme Q und Temperatur T?

Die Temperatur gibt an, wie „heiß" ein Körper ist – sie ist eine Zustandsgröße. Die Wärme Q ist die Energie, die bei einem Temperaturunterschied übertragen wird. Dass Wärme ≠ Temperatur ist, zeigt das Kupferklotz-Experiment: 100 g Kupfer bei 80 °C erwärmen 500 g Wasser nur auf 21,1 °C – obwohl der Kupferklotz viel heißer ist, überträgt er wegen seiner geringen Wärmekapazität nur wenig Energie.

Was ist die spezifische Wärmekapazität c?

Die spezifische Wärmekapazität c gibt an, wie viel Wärme (in Joule) nötig ist, um 1 g eines Stoffes um 1 K zu erwärmen. Sie ist eine stoffspezifische Konstante. Wasser hat mit cp = 4,184 J·g⁻¹·K⁻¹ einen ungewöhnlich hohen Wert – das macht es zum idealen Wärmeträger in Kalorimetern und im Alltag (Heizungen, Klimaregulation).

Worin unterscheiden sich C, c und Cm?

C (Wärmekapazität) ist die Wärme, die ein konkretes System (z. B. ein bestimmter Kolben voll Wasser) für ΔT = 1 K benötigt – systemspezifisch, in J/K. c (spezifische Wärmekapazität) bezieht C auf die Masse, also J·g⁻¹·K⁻¹ – damit wird die Größe massenunabhängig und vergleichbar. Cm (molare Wärmekapazität) bezieht C auf die Stoffmenge n, in J·mol⁻¹·K⁻¹ – praktisch für chemische Reaktionsberechnungen.

Warum ist cp(Wasser) so wichtig für die Kalorimetrie?

Im Kalorimeter (→ 7 Kalorimetrie) wird die Temperaturänderung des Wassers gemessen, um Reaktionsenthalpien zu bestimmen. Da cp(H₂O) genau bekannt ist, lässt sich aus Qp = cp · m · ΔT direkt auf die freigesetzte oder aufgenommene Wärmemenge schließen. Wasser ist außerdem das Lösungsmittel vieler Reaktionen.

Wie berechnet man Q bei einer Erwärmung?

Formel: Qp = c · m · ΔT mit ΔT = Tend − Tstart. Beispiel: 125 g Wasser von 20 °C auf 25 °C → ΔT = 5 K → Q = 4,184 · 125 · 5 = 2615 J = 2,615 kJ. Wichtig: Einheiten prüfen – c in J·g⁻¹·K⁻¹, m in g, ΔT in K (oder °C, da Δ identisch).

Lernkarten – Wärmekapazität

Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.

1

Nenne die Formel für Qp mit spezifischer Wärmekapazität c.

Qp = c · m · ΔT
c in J·g⁻¹·K⁻¹
m in g, ΔT in K

2

Nenne die Formel für Qp mit molarer Wärmekapazität Cm.

Qp = Cm · n · ΔT
Cm in J·mol⁻¹·K⁻¹
n in mol, ΔT in K

3

Wie groß ist cp von Wasser – und warum ist dieser Wert bedeutsam?

cp(H₂O) = 4,184 J·g⁻¹·K⁻¹
Sehr hoch → Wasser speichert viel Wärme → Grundlage für Kalorimetrie-Messungen

4

Warum sind Wärme Q und Temperatur T nicht dasselbe?

Gleiche Masse verschiedener Stoffe bei gleicher Temperatur enthält verschiedene Wärmemengen – weil c stoffabhängig ist.
Hohe T ≠ viel Q!

5

200 g Wasser werden von 20 °C auf 30 °C erwärmt.
Wie groß ist Qp?

Qp = 4,184 · 200 · 10
= 8368 J = 8,368 kJ

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